Diskriminierung, Klischees, Gender Gap – Hört das denn bitte nie auf?

 Paul Gallo - flickr.com

Dürfen Mehrheiten diskriminiert werden? — Paul Gallo – flickr.com —

Diskriminierung. Begriffsherkunft: lateinisch discriminare. Bedeutung: unterscheiden, trennen, abgrenzen, absondern. Ursprünglicher Sprachgebrauch: wertneutral. Nun, die Zeiten sind vorbei. Von Diskriminierung ist vor allem im politischen Umfeld die Rede, wenn es um die Herabsetzung, Benachteiligung oder Ausgrenzung einer bestimmten Person oder Personengruppe geht. Gar nicht mal so positiv, gar nicht mal so wertneutral. Vor allem dann nicht, wenn aus einer Diskriminierung im negativ konnotierten Sinn schlechtere Chancen auf dem Arbeitsmarkt oder im sozialen Ansehen resultieren.

Preisfrage: Dürfen Mehrheiten diskriminiert werden?

Jeder von uns trifft tagtäglich mehrere diskriminierende Entscheidungen, zieht Lakritz Schnecken Gummibärchen vor, findet die Stones besser als die Beatles, mag Kaffee lieber als Tee, hält Sean Connery für authentischer als Roger Moore. Warum auch immer. Jeder verfügt über ein bestimmtes Raster an Überzeugungen, Präferenzen, mehr oder minder ausgeprägten Vorurteilen und einen Pool an fundierten und weniger fundierten Meinungen. Menschlich. Bedenklich wird es erst, wenn durch diese bewusste oder unbewusste Entscheidungsfindung Menschen in ihrer Freiheit beschränkt, benachteiligt, schlechter behandelt und ausgegrenzt werden. Besonders auf dem Arbeitsmarkt und im sozialen Umfeld sind die Konsequenzen denkbar prekär.
Allerdings sollte an dieser Stelle nicht vergessen werden, dass die gesamte Debatte um Diskriminierung von Frauen, Männern, Homosexuellen, Personen mit Migrationshintergrund, Religionsgemeinschaften, Hautfarbe, Alter, Erziehung, sozialer Stellung, äußerlichem Erscheinungsbild, Berufsbildern (…) relativ zweckfrei ist, solange sie nicht transparent gestaltet wird.
Allzuleicht bricht sich im Zusammenspiel mit neonfarbenen Blinkpfeilen der Eindruck Bahn, dass die Zahlen, Statistiken und Argumentationen gerade so zurechtgebogen, geschönt und verschlimmbessert werden, wie es gerade beliebt. Kommt ganz drauf an, wer zu welchem Zweck gerade eine steile These wagen möchte: Frauen sind also in technischen Berufen unterrepräsentiert, weil sie diskriminiert werden? – Auf der anderen Seite zählen technische Berufe statistisch auch nicht zu den Topfavoriten unter den von Frauen gewählten Berufen. Frauen werden schlechter bezahlt als Männer, weil sie am Arbeitsmarkt weniger geachtet werden? – Gegenfrage: Gibt es denn genaue Zahlen, die darüber Aufschluss geben, inwiefern bei dieser Berechnung Vollzeit- und Teilzeitmodelle, Babypausen, Verhandlungsgeschick und andere relevante Faktoren berücksichtigt wurden? Zwischen gleichem Abschluss und tatsächlicher Berufswahl besteht noch ein kleiner Unterschied. Männer können besser rechnen, wirtschaften, haben mehr Durchsetzungskraft und sind deshalb automatisch besser für Führungspositionen geeignet? Dafür sind Frauen sprachbegabter, fürsorglicher, empathischer und deshalb besser in sozialen Berufen aufgehoben – am besten noch aus evolutionsbedingten Gründen. Und ganz wichtig: Männer können nicht einparken und Frauen nicht zuhören, oder andersrum? Kommt, wie gesagt, anscheinend ganz drauf an.

Gegen verstaubt-tradierte Klischees und für ein bisschen mehr Objektivität!

Würde es um objektive Tatsachen gehen, wären viele dieser Debatten hinfällig. Würde nicht darüber gesprochen werden müssen, ob Mann, Frau, Migrant, Nicht-Migrant…usw. und würden allein reale Fähigkeiten in Hinblick auf Hard- und Soft Skills zu der Besetzung offener Vakanzen beitragen, würde es auf dem Arbeitsmarkt weitaus fairer zugehen, so viel ist klar. Die Weichen dorthin sind bereits gestellt und die Hoffnung ist groß, dass es in Zukunft immer mehr Unternehmen geben wird, denen daran gelegen ist, ihre Einstellungsprozesse zu standardisieren und ihren Recruitern objektive Entscheidungskriterien mit an die Hand zu geben. Auf diese Weise würde es zumindest erheblich erschwert, Diskriminierungsmechanismen unbewusst oder bewusst im Bewerbungsverfahren verortet zu lassen. Es ist allen Beteiligten zu wünschen, dass es nicht mehr allzu lange dauert, bis es endlich soweit ist!

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