Die größten Stolpersteine im Bewerbungsverfahren oder wie es nicht gemacht wird

Fail Stamp

Hans Gerwitz – flickr.com

Das Studium befindet sich in den letzten Zügen, die Master-Thesis liegt gebunden auf dem Schreibtisch und langsam, aber sicher treten Fragen nach dem Wie-geht-es-weiter in den Vordergrund: In was für einem Unternehmen möchte ich arbeiten, wohin soll die Reise überhaupt gehen und wie komme ich da eigentlich hin? – Kennen wir alle.
Wie unterschiedlich die Zielsetzungen, Anforderungen, Hintergründe, Werte, Überzeugungen, Ambitionen und Motivationen auch ausfallen, in den Bewerbungsmappen von Hochschulabsolventen und Young Professionals finden sich interessanterweise die immer gleichen Fehler. Auf diese Stolpersteine soll im Folgenden der Blick gerichtet werden. Watch out!

Bewusstmachen der Zielsetzung – was eine aussagekräftige Bewerbung leisten muss

Die klassische Bewerbung stellt in der Regel die erste Chance dar, sich von der Masse abzuheben und den Personaler von sich und den eigenen Fähigkeiten zu überzeugen. Damit dieser erste Schritt im Bewerbungsprozess von Erfolg gekrönt sein kann, sollte die Bewerbung sowohl im Hinblick auf das Design als auch auf die Darstellung des Inhalts Kompetenz ausstrahlen, um auf Unternehmensseite Interesse zu wecken. Bevor es ans Schreiben geht, sind im Vorfeld einige wichtige Dinge und Fragen zu bedenken:

  • Wie möchtest Du Dich verkaufen, was sollte das Unternehmen unbedingt von Dir wissen?
  • Wo liegen Deine Stärken und Schwächen?
  • Bei was für einem Unternehmen bewirbst Du dich?
  • Findest Du Dich und Deine Fähigkeiten in der Stellenausschreibung wieder?

Wenn diese Art der Pionierarbeit geleistet ist, kann es direkt ans Eingemachte gehen. Worauf im Speziellen zu achten ist, erfährst Du in den folgenden Absätzen.

No. 1: Rechtschreibung, Zeichensetzung und Grammatik wurden nicht aus Spaß standardisiert!

Kaum zu glauben, aber wahr: Die meisten bei einem Unternehmen eingehenden Bewerbungen fallen bereits nach dem Aufschlagen der Bewerbungsmappe oder dem Öffnen des PDFs negativ auf. Und mal Hand aufs Herz: Warum sollte sich ein Recruiter ernsthaft Zeit für einen Bewerber nehmen, der noch nicht einmal die Schreibweise des Unternehmens, des Ansprechpartners oder den allgemein anerkannten, durch den Duden manifestierten Grundregeln der deutschen Sprache mit ein wenig Aufmerksamkeit bedacht hat? Die Wahrheit ist: Selten verbringt ein Personaler mehr als vier Minuten mit einer Bewerbung. Auch wer nicht unbedingt mit sprachlichem Feingefühl glänzen kann, sollte vor dem Abschicken der Bewerbung jemanden bitten, Korrektur zu lesen und dafür Sorge tragen, dass offensichtliche Fehlerquellen behoben werden: Sorgfalt und ein Auge für Details sind wichtig! Im Übrigen solltest Du ebenso sicherstellen, dass die Kopien/Scans Deiner Zeugnisse und Anlagen einwandfrei sind. Verschmierte Unterlagen, am besten noch auf schmuddeligem Papier ausgedruckt, möchte nun wirklich kein Personaler sehen.

Der Lebenslauf – Drin steht, was rein muss

In Hinblick Formalia wie Aufbau und Design kommt es in erster Linie darauf an, dass alles gut strukturiert und übersichtlich gestaltet ist – dabei interessiert es in der Regel aber niemanden, wo Du zur Grundschule gegangen bist: Stelle eine Auswahl der wichtigsten Etappen sicher.

  • Kontaktdaten: Name, Adresse, Telefonnummer, E-Mail-Adresse
  • Ein professionelles Foto
  • Angaben zur Ausbildung: Abitur, Schwerpunkte im Studium, Thema der Bachelor-/Master-Thesis
  • Berufserfahrung und Praktika: Firma, Position, Zeitraum der Beschäftigung und Tätigkeit kurz darstellen
  • Weitere Qualifikationen: EDV-Kenntnisse, Fremdsprachenkenntnisse, Weiterbildungen, Zertifikate, Auszeichnungen

Abitur, Studium, Praktika, Arbeits- und Auslandserfahrungen sind unbedingt zu nennen. Beachte allerdings, dass der letzte zweiwöchige Urlaub auf Mallorca nicht unbedingt allgemein als Sprachreise oder Weiterbildungsmaßnahme Anerkennung findet. Auch Lücken, bzw. Zeiträume, die mehr als drei Monate andauern, kommen in den Personalabteilungen nicht gut an, werden diese doch leicht mit einer gewissen Form an Unentschlossenheit oder Faulheit in Verbindung gebracht. Bei wem sich längere arbeitslose, unbeschäftigte Zeitspannen finden, sollte sich zumindest auf potenzielle Rückfragen dazu gefasst machen. Insgesamt sollte ein tabellarischer Lebenslauf nicht mehr als eine oder zwei DIN-A4-Seiten überschreiten.

Das Anschreiben als persönliche Werbemaßnahme

Im Gegensatz zum Lebenslauf, der das Profil eines Bewerbers auf den Punkt bringt, tritt beim Anschreiben die Motivation des Kandidaten in den Vordergrund, sollte sie zumindest. Das Anschreiben ist vergleichbar mit dem ersten Eindruck, den eine Person hinterlässt. Daher sollte das Anschreiben alle wichtigen W-Fragen klären und individuell auf den neuen, potenziellen Arbeitgeber zugeschnitten sein. In diesem Fall ist nichts ungünstiger als ein standardisiertes Anschreiben, das auf nahezu jeden Arbeitgeber zutreffen könnte. Wieder gilt: Wenn weder tatsächliches Interesse noch Motivation erkennbar sind, verfehlt die Bewerbung ihren eigentlichen Zweck – nämlich zum Vorstellungsgespräch eingeladen zu werden. Unerlässlich auf dem Anschreiben sind die Kontaktdaten von Bewerber und Unternehmen, das Datum der Bewerbung und eine Betreff-Zeile. Außerdem sollten grundsätzlich folgende Fragen im Rahmen des Anschreibens beantwortet werden:

  • Warum gerade dieser Arbeitgeber und diese Position?
  • Die Frage nach der persönlichen Eignung: Warum bist Du genau richtig für die Vakanz?
  • Was bringst Du mit, was andere nicht haben?

Die Challenge: Alles Wissenswerte komprimiert auf einer DIN-A4-Seite darstellen und zwar authentisch, individuell, professionell und ambitioniert. Das heißt: Nicht einfach nur den Lebenslauf paraphrasieren. Das ist ein bisschen so wie mit einer guten Produktbeschreibung. Die USP sollen auf den ersten Blick erkennbar sein, wohingegen die eigentliche Beschreibung relevant, informativ und kurzweilig gehalten sein muss, damit der Kunde sich angesprochen fühlt und das Produkt am Ende im Warenkorb liegt. Wichtig dabei: Auf unnötige Marketingphrasen und Superlative verzichten und eine natürliche sowie informative Beschreibung abliefern, die alle Fragen klärt.

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